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Dromo's Den
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[Up] [Dromo's Den] Hans Sachs
Sankt Peter mit der Geiß
ALS noch auf Erden ging Christus Und auch mit ihm wanderte Petrus, Eins Tags aus einem Dorf mit ihm ging, Bei einer Wegscheid' Petrus anfing: »O Herre Gott und Meister mein, Mich wundert sehr der Güte dein. Weil du doch Gott allmächtig bist, Läßt es doch gehn zu aller Frist In aller Weit, gleich wie es geht. Wie Habakuk sagt, der Prophet: Gewalt und Frevel geht vor Recht! Der Gottlose übervorteilt schlecht Mit Schalkheit den Gerechten und Frommen, Auch kann kein Recht zu End' mehr kommen. Da siehst du zu und schweigest still, Als kümmre dich die Sach' nicht viel…. O sollt' ich ein Jahr Herrgott sein, Und sollt' Gewalt haben wie du, Ich wollte anders schauen dazu, Führ'n ein viel besser Regiment Auf dem Erdreich durch alle Ständ'. Ich wollte steuern mit meiner Hand Wucher, Betrug, Krieg, Raub und Brand: Ich wollt' anrichten ein ruhig Leben!«
Der Herr sprach: »Petre, sag mir eben, Meinst, du wolltest besser regieren, All' Ding' auf Erden baß ordinieren, Die Frommen schützen, die Bösen plagen?« Sankt Peter tät hinwieder sagen: »Ja, es müßt' in der Welt baß stehn, Nicht also durch einander gehn. Ich wollt' viel beßre Ordnung halten.« Der Herr sprach: »Nun, so magst verwalten, Petre, die hohe Herrschaft mein; Heut den Tag sollst du Herrgott sein. Schaff und gebeut all's, was du willt, Sei hart, streng, gütig oder mild, Gib aus den Fluch oder den Segen, Gib schön Wetter, Wind oder Regen; Du magst strafen oder belohnen, Plagen, schützen oder verschonen. In Summa mein ganz Regiment Sei heut den Tag in deiner Händ.«
Petrus war des gar wohlgemut, Deucht' sich der Herrlichkeit sehr gut. Indem kam her ein armes Weib, Ganz mager, dürr und bleich von Leib, Barfuß in einem zerrißnen Kleid, Die trieb ihre Geiß hin auf die Weid'. Da sie mit auf die Wegscheid' kam, Sprach sie: »Geh hin in Gottes Nam! Gott hüt' und schütz' dich immerdar, Daß dir kein Übel widerfahr'. Gott hüte dich mit seiner Hand!« Mit dem die Frau sich wieder wandt' Ins Dorf; so ging die Geiß ihre Straß', Der Herr zu Petro sagend was: »Petre, hast das Gebet der Armen Gehört? Du mußt dich ihrer erbarmen, Weil ja den Tag bist Herrgott du, So stehet dir auch billig zu, Daß du die Geiß nehmst in dein' Hut, Wie sie von Herzen bitten tut, Und behüte sie den ganzen Tag, Daß sie sich nicht verirr' im Hag, Nicht fall', noch mög' gestohlen werden, Noch sie zerreißen Wölf' und Bären; Daß auf den Abend wiederum Die Geiß heim unbeschädigt komm' Der armen Fraue in ihr Haus. Geh hin und richt die Sach' wohl aus!«
Petrus nahm nach des Herren Wort Die Geiß in sein' Hut an dem Ort Und trieb sie an die Weid' hindann. Da fing Sankt Peters Unruh an. Die Geiß war mutig, jung und jäh Und blieb drum gar nicht in der Näh', Lief auf der Weide hin und wieder, Stieg den Berg auf, den andern nieder, Schlüpft' hierhin, dorthin durch die Stauden. Petrus mit Ächzen, Blasen, Schnauden Mußt' immer nachtrollen der Geiß; Und schien die Sonn' gar überheiß, Der Schweiß über seinen Leib abrann. Mit Unruh verzehrt' der alte Mann Den Tag, bis auf den Abend spat Verdurstet, kraftlos, müd und matt Die Geiß er wied'rum heim gebracht.
Der Herr sah Petrum an und lacht', Sprach: »Petre, willst mein Regiment Noch länger behalten in deiner Händ?« Petrus sprach: »Lieber Herre mein, Nimm wieder hin die Herrschaft dein Und deine Gewalt; ich begehr' mit nichten Forthin dein Amt mehr auszurichten. Ich merk, daß meine Weisheit kaum töcht', Daß ich eine Geiß regieren möcht' Mit großer Angst, Müh und Arbeit. O Herr, vergib mir meine Torheit! Ich will fort der Regierung dein, Weil ich leb', nicht mehr reden ein.« Der Herr sprach: »Petre, dasselbe tu, So lebst du fort mit stiller Ruh, Vertraue mir in meine Händ' Das allmächtige Regiment.«
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