Dromo's Den

 

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Martin Opitz

 

Ich empfinde fast ein Grauen

 

ICH empfinde fast ein Grauen,

Daß ich, Plato, für und für

Bin gesessen über dir;

Es ist Zeit hinaus zu schauen

Und sich bei den frischen Quellen

In dem Grünen zu ergehn,

Wo die schönen Blumen stehn,

Und die Fischer Netze stellen.

 

Wozu dienet das Studieren

Als zu lauter Ungemach?

Unterdessen läuft der Bach

Unsers Lebens, das wir führen,

Ehe wir es inne werden

Auf sein letztes Ende hin;

Dann kommt ohne Geist und Sinn

Dieses alles in die Erden.

 

Holla, Junger, geh und frage,

Wo der beste Trunk mag sein,

Nimm den Krug und fülle Wein.

Alles Trauern, Leid und Klage,

Wie wir Menschen täglich haben,

Eh' uns Clotho fortgerafft,

Will ich in den süßen Saft,

Den die Traube gibt, vergraben.

 

Kaufe gleichfalls auch Melonen

Und vergiß des Zuckers nicht;

Schaue nur, daß nichts gebricht.

Jener mag der Heller schonen,

Der bei seinem Gold und Schätzen

Tolle sich zu kränken pflegt

Und nicht satt zu Bette legt;

Ich will, weil ich kann, mich letzen.

 

Bitte meine guten Brüder

Auf die Musik und ein Glas;

Nichts schickt, dünkt mich, nichts sich baß,

Als gut Trank und gute Lieder.

Lass' ich gleich nicht viel zu erben,

Ei, so hab' ich edlen Wein;

Will mit andern lustig sein,

Muß ich gleich alleine sterben.